Schätzungen zufolge gibt es heute weltweit bis zu 15.000 Einrichtungen, die im weitesten Sinne als Zoo gelten können. Professionell geführte Tiergärten bieten allerdings nicht nur Freizeitspaß, sondern sind zugleich wichtige Zentren für Artenschutz, Forschung und Umweltbildung. In Deutschland wetteifern mehr als 800 Zoos um die Gunst des Publikums, 51 davon sind wissenschaftlich geführte Tierparks. Diese leisten mit zertifizierten Anlagen und international anerkannten Zuchtprogrammen einen großen Beitrag zum Arten- und angewandten Tierschutz. Bei der Gestaltung naturnaher Gehege mit Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere spielt Edelstahl Rostfrei eine ebenso wichtige Rolle wie in den Besucherbereichen.

Zoos sind wahre Besuchermagneten: Rund 20 Millionen Menschen (Quelle: Statista) besuchten im Jahr 2024 einen Zoo in Deutschland. Die hohe gesellschaftliche Akzeptanz der Bevölkerung beruht vor allem auf strengen Tierschutzstandards. So befürworten laut einer Umfrage des Instituts Forsa rund 80 Prozent der Deutschen Zoos, während lediglich etwa zwölf Prozent die Haltung von Wildtieren kritisch sehen. Das Bundesnaturschutzgesetz und die Zoorichtlinie der Europäischen Union machen Tiergärten verbindliche Vorgaben für artgerechte Haltung, Schutz bedrohter Arten, Forschung und Bildungsarbeit.

Darüber hinaus überprüfen Verbände und Organisationen wie die Association of Zoos and Aquariums (AZA), die Global Humans Society oder der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) anhand strenger Richtlinien die Einhaltung der Standards in Tier- und Artenschutz, Pflege und Haltung. Wissenschaftlich geführte Einrichtungen arbeiten zudem eng mit Partnern wie der Weltnaturschutzunion (IUCN) und dem WWF Deutschland zusammen. Die strengen Akkreditierungsverfahren sichern ein konstant hohes Niveau der Zoos, die sich diesen Überprüfungen regelmäßig unterziehen. Die Anforderungen für die Zertifizierungen betreffen auch die eingesetzten Materialien: Sie müssen langlebig sein und zugleich ein hohes Maß an Sicherheit für Mensch und Tier gewährleisten.

Zu artgerechter Haltung, Tierwohl und Erfüllung natürlicher Bedürfnisse der Tiere zählt neben abwechslungsreich gestalteten Terrains mit Rückzugsorten, Felsen und Wasserflächen auch eine spezifische Bepflanzung, um den natürlichen Lebensraum möglichst realitätsnah nachzubilden. Unauffällige Begrenzungen sorgen dabei für die nötige Sicherheit. Immer mehr Zoos verfolgen heute das Gestaltungsprinzip der sogenannten „Landscape Immersion“. Dieses Konzept lässt die Besucher in die Heimat der Tiere, also in Landschaften wie Dschungel, Savanne, Tundra oder Antarktis eintauchen.

In der Regel werden die Gehege hierfür nach geografischen oder systematischen Kriterien eingeteilt. Während bei der geografischen Anlagengestaltung Tiere der einzelnen Kontinente mit- oder nebeneinander gehalten werden, sind bei der systematischen Umsetzung gleiche Tierarten unterschiedlicher Kontinente miteinander untergebracht. Beide Lösungen erfordern einen Kompromiss, der den Besuchern den Blick auf möglichst viele Tiere erlaubt und den Tieren die Möglichkeit gibt, sich den Blicken zu entziehen. Gleichzeitig soll alles, was Mensch und Tier trennt oder für die Versorgung der Tiere unverzichtbar ist, zuverlässig funktionieren, aber für den Besucher weitestgehend unsichtbar sein. Dabei dürfen Zoobetreiber weder wissenschaftliche noch wirtschaftliche Aspekte außer Acht lassen.
Sicherheit und Komfort

Vor dem Hintergrund sicherheitstechnischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit wird Edelstahl weltweit in Zoos als multifunktionaler Konstruktionswerkstoff eingesetzt. Großformatige Seilnetze aus den Edelstahlgüten 1.4301 oder 1.4401 gehören heute in vielen Zoos ebenso zur Standardausstattung wie Kletterstrukturen, Beckenverkleidungen, Schleusen zwischen den Gehegen, Tränken, Werkzeuge, Arbeitstische oder Lagerbehälter. Hinzu kommen klassische Anwendungen aus nichtrostendem Stahl wie Geländer, Handläufe, Sitzgelegenheiten und Spielgeräte in den Besucherbereichen.

Sie erfüllen hohe Anforderungen an mechanische Belastbarkeit, Oberflächenqualität und Langlebigkeit, sodass sie für Besucher aller Altersgruppen Aufenthaltskomfort und Unterhaltung bieten. Den Tieren ermöglichen die robusten Werkstoffeigenschaften der Gehege große Bewegungsfreiheit sowie verletzungsfreies Klettern und Springen. Die materialtypischen Vorteile machen den Einsatz von Edelstahl trotz der höheren Anschaffungskosten zu einer langfristig wirtschaftlichen Investition.
Bedürfnisgerecht für Mensch und Tier

Großflächige Seilnetzsysteme aus Edelstahl haben sich weltweit als Standardlösung für Primaten- und Raubtiergehege etabliert. Beispielhaft dafür stehen die Zoos in Wuppertal, Leipzig, Zürich, Ostrava, Sydney oder Singapur. In Wuppertal wird das Seilnetzsystem durch einen Kletterbaum aus Edelstahl ergänzt, sodass die Affen an den Ästen und am Seilnetz wie in freier Natur klettern können. Auf Größe und Gewicht der Tiere abgestimmte Maschenweiten und Seildurchmesser verleihen den Netzen auch bei großen Spannweiten die geforderte hohe Sicherheit. In Anlagen für Menschenaffen wie dem Leipziger Pongoland werden Seildurchmesser von bis zu 36 Millimetern mit Verbindungen aus Edelstahl eingesetzt, um den sehr kräftigen Tieren standzuhalten. Raubkatzengehege mit Seilnetzen gibt es beispielsweise im Krefelder Zoo, im Thüringer Zoopark Erfurt sowie im San Diego Zoo (USA).

Im Dreamworld Tiger Island an der Gold Coast in Queensland, Australien, ermöglicht ein Tigerlaufsteg aus Seilnetz den Besuchern einen spektakulären Blick auf die Tiere. Dachnetze unterbinden das Herausspringen, während seitliche Sicherungen verhindern, dass Besucher die Gehege betreten. Netze aus Edelstahl sind ungiftig und widerstehen auch starken mechanischen Einwirkungen wie Stößen oder Bissversuchen. Geschwärzte Edelstahlseile reduzieren zudem Reflexionen der Netzfläche und verbessern so die optische Integration der Umzäunung in die Umgebung.

Viele Zoos setzen Seilnetze aus nichtrostendem Stahl auch in Außengehegen von Pinguinen, für den Bau von Volieren sowie zum Schutz von Brutbereichen oder Futterstellen vor Wildvögeln ein. Neben den bereits genannten Zoos in Zürich, Ostrava oder Sydney nutzen unter anderem der Luisenpark Mannheim, der London Zoo oder der Bronx Zoo in New York Volieren aus Edelstahldraht mit individuell angepassten Maschenweiten. Aus den flexibel formbaren Netzen entstehen naturnahe Flugräume für Greifvögel, Papageien oder Sittiche mit großflächigen Überdachungen und transparenten Seitenflächen.
Robuster Schutz vor Gefahr

Nicht nur bei sichtbaren Konstruktionen übernimmt Edelstahl zentrale Funktionen, sondern auch in sicherheitskritischen Bereichen von Gehegen und Stallungen. Schwerlastschieber, Trenntore und Verriegelungssysteme müssen bei großen oder gefährlichen Tieren wie Elefanten, Giraffen, Eisbären, Nashörnern oder Raubkatzen höchste Funktionssicherheit und Belastbarkeit gewährleisten.

Mechanische oder elektromechanische Schließsysteme, die speziell für Zoos entwickelt wurden, schützen das Pflegepersonal und Publikum vor den Folgen von Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit. Diese Systeme erlauben erst dann das gefahrlose Betreten der Bereiche zur Fütterung oder Reinigung, wenn die benachbarten Gehege sicher verschlossen sind. Gleichzeitig verhindern sie, dass die Tiere Türen eigenständig öffnen können.
Hygiene auch bei höchster Belastung

Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld von Edelstahl in Zoos sind hygienekritische Bereiche. Futtertröge, Tränken oder Beckenränder müssen dauerhaft hohen Belastungen durch Feuchtigkeit, Witterung und intensive Nutzung standhalten. Die robuste Strapazierfähigkeit und porenfreie Oberflächenbeschaffenheit von Edelstahl bietet optimale Voraussetzungen für lange Haltbarkeit und einfache Reinigung. Die Beständigkeit gegenüber Reinigungschemikalien und Desinfektionsmitteln macht den Werkstoff auch in den Räumlichkeiten zur veterinärmedizinischen Behandlung oder Futterzubereitung unverzichtbar für Einrichtungsgegenstände und Geräte.

Noch anspruchsvoller sind die Anforderungen an die Wasser- und Abwassersysteme von zoologischen Anlagen. Die hier eingesetzten Rohrleitungen, Pumpen und Filter müssen extremen korrosiven Belastungen durch Urin, Fäkalien, chemische Reinigungsmittel und Ablagerungen von Futterresten oder Haaren widerstehen. In den Gehegen sind die Leitungen zusätzlich hoher Feuchtigkeit, Frost sowie mechanischen Einwirkungen wie Tritten oder Bissen durch die Tiere ausgesetzt. Hier gewährleisten Rohrsysteme aus anwendungsbezogen angepassten Edelstahllegierungen die geforderte Betriebs- und Investitionssicherheit durch hohe Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und Durchflussleistung.

Im Spannungsfeld strenger Vorgaben zu Tier- und Artenschutz, Bildungsauftrag, steigender Besuchererwartungen und herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist der Einsatz von Edelstahl in Zoos auf der ganzen Welt gängige Praxis. Die Kombination aus mechanischer Leistungsfähigkeit, Beständigkeit und gestalterischer Flexibilität macht den Werkstoff für eine Vielzahl an Anwendungen zu einer nachhaltig verlässlichen Lösung.




