Europäische Edelstahlhersteller haben ihre Prozesse schon vor Jahrzehnten auf den Einsatz von recyceltem Stahl, Induktion in Elektrolichtbogenöfen und Energie aus erneuerbaren Quellen umgestellt. Mit der Entwicklung von sogenanntem grünem Edelstahl durch Überprüfung aller Materialströme und gezielte Optimierung der Produktionsprozesse setzen sie nun erneut Zeichen. Endverbraucher und Industrie fragen gleichermaßen nach diesen noch nachhaltigeren, grünen Edelstahlprodukten, denn diese sind ein weiterer Meilenstein auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft.

Treiber für die wachsende Kundennachfrage sind neben allgemein gestiegenem Umweltbewusstsein die Bestrebungen der Industrie, die ambitionierten Klimaziele zu erreichen und ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Insbesondere die Schwer- und Automobilindustrie, aber auch die Energiewirtschaft und die Konsumgüterbranche wollen so immer strengere Umweltvorschriften und steigende CO2-Abgaben erfüllen. Edelstahl und Komponenten aus nichtrostendem Stahl sind in der Medizintechnik-, Automobil-, Konsumgüter-, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ebenso unverzichtbar wie in der Wasserwirtschaft oder in der Energiebranche.

Edelstähle leisten hier durch ihren hohen Recyclinganteil und den Einsatz von erneuerbaren Energien einen maßgeblichen Anteil zum Senken der Klimabelastung. Die noch ungesicherte Verfügbarkeit der klimafreundlichen Energien in den benötigten Mengen – insbesondere von grünem Wasserstoff – ist jedoch eine Herausforderung bei der Skalierung der Produktionsmengen von grünen Edelstählen. Kooperationen zwischen Edelstahlproduzenten, Energiewirtschaft und Forschungsunternehmen sollen hier für die erforderliche Sicherheit sorgen.

Metallurgisch ist grüner Edelstahl in Qualität, Haltbarkeit und mechanischen Eigenschaften identisch zu den bestehenden Sorten nichtrostender Stähle und kann diese in industrieller Umgebung substituieren. Die noch klimafreundlicher produzierten Edelstähle widerstehen hohen mechanischen und thermischen Belastungen, Korrosion und Verschleiß ebenso dauerhaft wie die herkömmlich hergestellten Edelstähle. Zudem zeichnen sie die gleichen, guten Verarbeitungseigenschaften aus. Nicht zuletzt werden sie den hohen Erwartungen der Anwender an Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit gerecht.
Zunehmende Verbreitung

Verschiedene Branchen nutzen bereits diese Edelstähle mit nochmals verringerten CO2-Emissionen bei unverändert sortentypischen Eigenschaften. In leicht korrosiven Umgebungen überzeugt der ferritische rostfreie Stahl 1.4016 durch seine gute Formbarkeit. So finden Küchen- und Haushaltsgeräte, Spülen, aber auch Flansche und Ventile aus der grünen Sortenvariante immer mehr Abnehmer. Der ferritische grüne Edelstahl 1.4003 bewährt sich durch seine Abriebfestigkeit und erhöhte Streckgrenze als Werkstoff für Strukturkomponenten in industriellen Anlagen oder Fahrzeugen.

Typische Anwendungen auch für die CO2-reduzierte Güte 1.4512 sind Abgassysteme für Kraftfahrzeuge und industrielle Hochtemperaturanwendungen. Gute Formbarkeit und Schweißeigenschaften empfehlen auch die grüne Variante der Werkstoffgüte 1.4520 für komplexe Formgebung durch Stanzen oder Ziehen. Ihr Einsatz bewährt sich beispielsweise bei Arbeitsplatten, Anschlüssen für Rauchgasabzüge oder verschiedenen Anwendungen im Automobilbereich.

In der modernen Küche, die nachhaltiges Kochen und Arbeiten pflegt, erschließt der Werkstoff mit optimiertem Produktionsprozess ein noch höheres Nachhaltigkeitsniveau bei Kochgeschirr, Messern, Scheren, Töpfen und Pfannen. Der martensitische grüne Edelstahl der Güte 1.4116 erfüllt beispielsweise bei Messern durch hohe Oberflächenhärte, Stabilität und Verschleißfestigkeit die gewohnten Premiummaßstäbe – bei einem um rund ein Drittel reduzierten CO2-Fußabdruck.

Auch mehrere Hersteller von Hausgeräten und Gastronomieküchen fertigen inzwischen verschiedene Komponenten ihrer Geräte aus CO2-reduziertem Edelstahl. Bei Geschirrspülern namhafter Marken werden im Hauptfach der Maschinen inzwischen standardmäßig zentrale Komponenten aus grünem Edelstahl eingebaut. Breite Einsatzmöglichkeiten findet er auch bei Wärmetauschern, die je nach Modell bis zu 80 Prozent rostfreien Stahl enthalten können. Deshalb wird der Werkstoff mit halbiertem CO2-Fußabdruck in den Güten 1.4401, 1.4301 und 1.4404 bereits umfangreich für Wärmetauscher verwendet, die in Wärmepumpen, Abgasrückgewinnungssystemen oder Anlagen zur Steigerung der Energieeffizienz Einsatz finden. In der Nahrungsmittelindustrie sind Homogenisatoren, die für eine einheitliche Produktqualität Fettkügelchen aufteilen und Partikelgrößen reduzieren, Schlüsselaggregate im Produktionsprozess.

Ein führender Hersteller hat die Edelstahlgehäuse einer kompletten Homogenisator-Reihe durch die analoge grüne Werkstoffvariante ersetzt und dadurch je nach Modell die CO2-Emissionen zwischen 300 und 2.500 Kilogramm pro Maschine reduziert. In der Landwirtschaft hat Melktechnik aus grünem Edelstahl ebenso Einzug gehalten wie im Anlagenbau für Mittelspannungsschaltanlagen, die in Schaltschränken im Fuß von Windkraftwerken eingebaut werden.
Hohe Kundennachfrage

Die Bandbreite der Beispiele zeigt das Potenzial, das der Einsatz von grünem Edelstahl bietet. Neben der Erfüllung eigener Umweltziele der Unternehmen beantwortet er auch die hohe Nachfrage von Endverbrauchern nach nachhaltigen Produkten und Materialien. Immer mehr Hersteller wählen deshalb den noch klimafreundlicher hergestellten Edelstahl, um sich durch eine Vorreiterrolle im Klima- und Umweltschutz vom Wettbewerb abzuheben.




